New York, New York - Im Austausch über den großen Teich

Im April diesen Jahres war es endlich soweit: Nachdem uns im vergangenen Herbst unsere amerikanischen Austauschpartner besucht hatten, machten wir uns nach monatelanger Vorfreude auf in die USA zu einem dreiwöchigen Gegenbesuch. Wir, das sind 15 Schüler aus der Jahrgangsstufe Elf des Gymnasiums am Kaiserdom in Speyer sowie Herr und Frau Reiß als Begleitpersonen. Unsere Zielorte waren die Gemeinden Bridgewater und Raritan in der Community Somerset im Bundesstaat New Jersey.

Der Austausch zwischen der Bridgewater-Raritan High School und dem Gymnasium hat bereits lange Tradition, findet er doch nun schon seit genau 20 Jahren in regelmäßigen Abständen statt.

Kaum auf dem Flughafen gelandet, lernten wir auch schon die herzliche Gastfreundschaft der Amerikaner kennen, die uns mit einem warmen Empfang die Strapazen des Fluges leicht vergessen ließen. Überhaupt waren wir über die Dauer des ganzen Aufenthaltes sehr erfreut darüber, wie herzlich wir von unseren Gastfamilien, aber auch von den Lehrern und insbesondere den anderen Mitschülern dort aufgenommen wurden. Vor allen Dingen in den ersten Tagen wurden wir ständig über Deutschland befragt und man hat sich ständig erkundigt, ob denn alles in Ordnung sei oder ob es Probleme gäbe, wie es uns gefalle, etc.

A propos Schule. Was uns vor allen Dingen beeindruckt hat, war die perfekte Integration der behinderten Schüler, die in den USA die gleiche Schule besuchen können wie andere Gleichaltrige, ohne dass es zu Problemen kommt. Die gesamte High School erstreckt sich auf einer großen Fläche mit vielen Gebäuden, die jedoch alle immer nur ein Stockwerk haben. Dadurch können Schüler mit Rollstühlen die High School besuchen, ohne dass sie Probleme mit Treppen bekommen. Außerdem ist jedem Behinderten ein eigener Betreuer zugeteilt, der sich den ganzen Vormittag um ihn kümmert. Was auch Eindruck auf uns gemacht hat, war die Art, wie die anderen Schüler mit ihren behinderten Mitschülern umgegangen sind. Für die amerikanischen Schüler ist der Umgang mit Behinderten etwas völlig Normales und Alltägliches, was auch für die Behinderten eine gute Sache ist, da sich die Behinderten dadurch voll akzeptiert und integriert fühlen.

Zum Unterricht an amerikanischen Schulen ist zu sagen, dass für die Schüler eine große Auswahlmöglichkeit an Fächern je nach Neigung und Talent besteht, und dadurch zweifelsohne die kreative Entfaltung jedes Einzelnen und die Entwicklung der Talente der Schüler gefördert wird. Schulfächer wie z. B. "Theater? oder auch "Creative Writing?, was das Schreiben von Storys und Aufsätzen sowie Gedichten lehrt, sucht man in deutschen Landen vergeblich. Auch haben die amerikanischen Schüler eine große Auswahl an sportlichen Aktivitäten nach der Schule, denn was für uns Deutsche der Sportverein ist, ist für den amerikanischen Schüler das Sportteam seiner jeweiligen Schule. Die Schüler werden sogar dazu angehalten, möglichst viele solche Kurse nach der eigentlichen Schule zu belegen, denn wenn ein Schüler später mal aufs College gehen will, sind diese Aktivitäten ein wichtiges Auswahlkriterium. Deshalb belegt fast jeder Schüler solche Kurse. Wenn man einmal nachmittags über die Sportfelder einer High School schlendert, sich umsieht und sowohl die Menge an verschiedenen Sportarten als auch die Anzahl an Sportlern betrachtet, verwundert es einen nicht mehr, dass die USA ein schier unbegrenztes Nachwuchspotential für den Spitzensport besitzen, egal in welcher Sportart. Die Kehrseiten von amerikanischen High Schools liegen jedoch ebenfalls auf der Hand: Durch die vielen Aktivitäten nach der Schule kommen die Schüler meist erst spät am Nachmittag nach Hause zurück, so dass, nachdem die Hausaufgaben erledigt sind, fast keine Freizeit mehr übrigbleibt. Was uns persönlich auch aufgefallen ist: Es herrschte eine unheimliche Zucht und Ordnung auf den Fluren und in den Klassenräumen der High School, und auch eine ständige Kontrolle durch die Lehrer. Ein weiteres Problem ist die Größe der amerikanischen High Schools. Die meisten amerikanischen High Schools werden von mehreren tausend Schülern besucht. Die dadurch entstehende Anonymität und Unpersönlichkeit kann insbesondere für Außenseiter ein Problem sein, das es in dem Sinn keinen Klassenverband gibt, der sie auffangen kann, denn in jeder Stunde besuchen die Schüler einen völlig anderen Kurs mit völlig anderen Mitschülern. Nichtsdestotrotz ist es ein tolles Erlebnis, einmal eine amerikanische High School besucht zu haben.

Die Gemeinden Bridgewater und Raritan sind so ziemlich genau in der Mitte zwischen New York City und Philadelphia gelegen, wodurch es uns möglich war sowohl einen Tagesausflug nach Philadelphia als auch mehrere Tagesausflüge nach New York City zu machen. Die Erfahrung, einmal in einer Stadt wie New York gewesen zu sein ist sehr wertvoll und sollte unbedingt einmal von jedem erworben werden, sofern ihm die Möglichkeit gegeben wird. Und auch der Ausflug nach Philadelphia, in das wohl wichtigste Kapitel der amerikanischen Geschichte, die Zeit der Unabhängigkeitserklärung, war sehr interessant.

Unsere amerikanischen Austauschpartner und deren Lehrer hatten sich sehr viel Mühe gemacht mit der Organisation dieser Ausflüge und sonstiger Aktivitäten (wie z. B. den Besuch eines Major-League-Baseballspieles und ein Softballspiel, bei dem wir selbst einmal in den Genuss kamen, uns in einer der wohl amerikanischsten Sportarten zu versuchen), wodurch uns ständig Abwechslung geboten war und wir ein breites Spektrum der amerikanischen Kultur kennenlernen konnten. Dafür möchten wir uns nochmal ganz herzlich bedanken.

Nachdem wir am Abschlussabend von den Amerikanern noch einmal mit einem klassischen amerikanischen "Potluck-Dinner?, einem gemeinsamen Erntedankfestessen, verwöhnt wurden, kam dann die Zeit des Abschieds. Viele Tränen wurden am Flughafen vergossen, doch irgendwann ist alles einmal vorbei. Und irgendwie war es ja auch ganz schön, wieder nach Hause zu kommen.

Insgesamt lässt sich über die drei Wochen, die wir in den USA verleben durften, sagen, dass es mit Sicherheit drei unvergessene Wochen in unserer Erinnerung bleiben werden. Wir haben wertvolle und schöne Erfahrungen gemacht, die uns in unserem späteren Leben noch sehr von Nutzen sein werden. Und was man nicht vergessen darf: Unser Englisch hat natürlich auch von dem Aufenthalt profitiert. In diesen drei Wochen konnten wir die amerikanische Kultur kennenlernen und sogar einige Dinge aus ihr übernehmen, z. B. das Baseball-Spielen. Wir haben dort neue Freunde gefunden zu denen wir auch in Zukunft noch einen guten Kontakt pflegen werden. Und gewiss wird das nicht der letzte gegenseitige Besuch bleiben. Jeder, der einmal die Möglichkeit hat, einen solchen Austausch mitzumachen, sollte sie unter allen Umständen nutzen. Er wird es nicht bereuen.

Florian Heger, MSS 12

Bilder von 2006

Artikel aus der "Morgenpost" vom 13.4.06