Umwelt baut Brücken

 

Umwelt baut Brücken --- Jugendliche im Europäischen Dialog

Jugendliche aus Deutschland kommen mit jungen Leuten aus Polen, der Slowakei, Tschechien, Slowenien und Ungarn zusammen, lernen die Kultur der Anderen kennen, haben eine Menge Spaß - und das alles im Zeichen der Umwelt.
Organisiert werden diese Projekte von IZOP (Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die derartige Projekte finanziell unterstützt. Viele Tageszeitungen aus den Teilnehmerländern berichten über die Projekte und geben den Schülerinnen und Schülern Einblick in die journalistische Arbeit.
Ziel dieser Aktionen ist es, Grenzen zwischen den Jugendlichen abzubauen und damit einen Beitrag zur Integration in Europa zu leisten.
Die Umwelt steht dabei im Vordergrund: Jugendliche aus den Partnerländern recherchieren wie "richtige" Journalisten in der Region der gastgebenden Schule ein Umweltthema, das von der DBU gefördert wurde. In unserem Fall ist dies das ZWIPERO-Projekt, ein wettergestütztes Prognosemodell für Falschen Mehltau an Zwiebeln, das vom Lehr- und Versuchsbetrieb für Gemüsebau, Queckbrunnerhof, DLR Rheinpfalz in Schifferstadt durchgeführt wird. Beim Gegenbesuch in Novo mesto / Slowenien in der Woche nach Pfingsten recherchieren die Speyerer Jugendlichen die Abwasseraufbereitung am Fluss Krka, der durch Novo mesto fließt.
Über beide Recherchethemen gestalten die Schülerinnen und Schüler jeweils eine Zeitungsseite in der Rheinpfalz. In Slowenien erscheint diese Seite in der Delo, einer überregionalen Zeitung des Landes.

Isidor Brodersen

 

 

Partnerschule Novo Mesto

Die Partnerschule des Gymnasiums am Kaiserdom, das Gimnazija Novo mesto (Slowenien) wurde vor 260 Jahren von Kaiserin Maria Theresia gegründet. Die Schule wird heute von etwa 900 Schülerinnen und Schülern besucht. Da das slowenische Schulsystem eine neunjährige Grundschul- und eine vierjährige Gymnasialphase vorsieht, wird das Gymnasium nur von Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren besucht. Die Unterrichtszeiten in Novo mesto unterscheiden sich von denen in Speyer; der Unterricht beginnt bereits um 7.00 Uhr und endet nachmittags um 14.00 Uhr oder 16.00 Uhr.
In jeder Jahrgangsstufe gibt es acht verschiedene Klassen. Zu Beginn der Gymnasialzeit können die Schülerinnen und Schüler zwischen sechs allgemein bildenden Klassen, einer Sportklasse und einer humanistischen Klasse wählen. Alle Schüler lernen drei Fremdsprachen: als erste Englisch, Deutsch oder Latein, als zweite Deutsch, Englisch oder Französisch und als dritte Spanisch oder Russisch. Die erste Fremdsprache beginnt bereits in der Grundschule, im Gymnasium kommt dann die zweite hinzu. Die Schülerinnen und Schüler, die Speyer besuchten, lernten zuerst Englisch und dann Deutsch. Im vierten Jahr, also in der letzten Gymnasialklasse, legen sie eine besondere Prüfung ab, das Deutsche Sprachdiplom. Am Gymnasium in Novo mesto kann das seit sieben Jahren erworben werden. Es berechtigt zum Studium an einer deutschen Universität.


Thomas Doroszewski, Clemens Scheck, Lukas Zech

 

Die Projektgruppe vor dem Schulportal in Novo Mesto

Führung im Gymnasium Novo Mesto

 

Die Schüler vor den Salinen

Karte Sloweniens

Slowenische Gastfreundschaft

 

Wussten Sie schon, dass...

  • Slowenien eine Fläche von 20.273 km bedeckt (Rheinland-Pfalz: 19 839 km )

  • 1,98 Millionen Einwohner hat (Rheinland-Pfalz: 3,9 Millionen)

  • Slowenien ein Küste am Mittelmeer von 46,6 km Länge besitzt

  • der höchste Berg Triglav 2864 m hoch ist

  • die Landeshauptstadt Ljubljana schon im Jahre 14 v. Chr. unter dem Namen Emona
    auftaucht

  • der Markt in Ljubljana der älteste in Europa ist

  • man mit dem Auto in 1 ½ Stunden von den Alpen an das Meer kommt

  • aus dem slowenischen Gestüt in Lipica die Lipizzaner herkommen

  • 54% der Landesfläche mit Wald bedeckt sind

  • Slowenien auf der Landkarte wie ein Huhn aussieht

  • in der slowenischen Sprache viele deutsche Wörter enthalten sind (z.B. Besteck, Eimer,
    Bier, Bügeleisen)

  • Bush und Putin sich das erste mal in Slowenien getroffen haben

  • die Weltmeisterschaft im Skispringen jedes Jahr in Slowenien endet

  • viele Leute private Weingüter besitzen

  • in der Schule 5 die beste und 1 die schlechteste Note ist

  • Wandertage und Schulfahrten über das Reisebüro organisiert werden

  • die Währung Tolar am 1.1.2007 durch den Euro abgelöst wird (1 € ist ungefähr 239 Tolar)

 

Reportage

Man könnte meinen, es sei ein ganz normaler Bauernhof. Bauernhaus, Scheune und Schuppen umgeben einen gepflasterten Hof; daneben sind Spargeldämme und Gewächshäuser zu sehen. Auf einem der Feldwege fährt ein Traktor. Es ist zwar noch früh am Tag, trotzdem herrscht jetzt schon reger Betrieb.
Dass es sich bei diesem Bauernhof um einen Versuchsbetrieb handelt, der besonders für Landwirte sehr wichtig ist, erklärt Dr. Norbert Laun. Er ist Versuchsleiter im Queckbrunnerhof, einer Außenstelle des Dienstleistungszentrums für den ländlichen Raum Rheinpfalz in Neustadt. Hier werden Versuche und Forschungsarbeiten zu Gemüsekulturen durchgeführt.
Der Himmel ist Wolken verhangen und der Wind bläst während des Rundgangs über das Gelände, den die Gruppe zusammen mit Norbert Laun macht.
Dabei erklärt er nicht nur, wie die Wetterstation funktioniert, sondern zeigt den Schülerinnen und Schülern auch die Felder. Anhand einer Zwiebelpflanze, die er aus dem Acker zieht, demonstriert Laun, was passiert, wenn eine solche Pflanze vom Falschen Mehltau befallen ist. Mit ein paar Handgriffen reißt er die Blätter ab und wirft sie hinter sich. Die Pflanze würde im Falle einer Infektion mit dem Mehltau-Pilz ebenfalls die Blätter verlieren und dann nicht mehr genügend Reservestoffe bilden können; das Resultat: mickrige Zwiebelknollen, die der Landwirt nicht verkaufen kann. Hier setzt die Arbeit des Queckbrunnerhofes an. Mit Hilfe von Wetterdaten und Beobachtungen im Zwiebelfeld wird ermittelt, wann Spritzungen durchgeführt werden müssen, damit keine Pilzinfektion stattfindet. Dies erläutert Dr. Gabriele Leinhos, Projektbearbeiterin von ZWIPERO, in einem Vortrag, den sie nach der Mittagspause hält.


       

 

Auf den Feldern des Queckbrunnerhofes wachsen unter anderem Spargeln, Kohlrabi, Rhabarber, verschieden Getreidearten, sogar Artischocken und natürlich Zwiebeln. In einem Gewächshaus werden zusätzlich Tomaten und auch Paprika herangezogen. "Landwirtschaft bedeutet nicht nur, schmutzige Hände zu bekommen, sondern vor allem Wissenschaft und neue Ideen", erklärt Laun, als die Gruppe in einem der Gewächshäuser steht, umgeben von frei fliegenden Schlupfwespen. Hier werden die nützlichen Insekten mit zunächst "eingekauften" Blattläusen gefüttert, damit sie später die Tomatenpflanzen von diesen Schädlingen befreien. Ein im Gewächshaus wohnendes Hummelvolk sorgt für die Bestäubung der Tomatenblüten. Diese biologischen Versuche zum Pflanzenschutz im Gewächshaus zeigen, wie wichtig Innovationen für die Agrarwirtschaft sind. Gemüseanbau, der allgemeinhin mit traditionellen Familienbetrieben in Verbindung gebracht wird, ist in Wirklichkeit eine Wissenschaft für sich.
Davon profitiert auch der Bauer Marcus Voll. Zusammen mit seinen Eltern und seiner Frau unterhält er einen Hof in Bobenheim-Roxheim. Die Forschungen des Queckbrunner Hofes helfen ihm, Fungizidbehandlungen, so nennt man Spritzungen im Fachjargon, effizienter planen zu können. Damit spart er 100 € pro weggelassener Behandlung. Im Gespräch erklärt er den Schülern, wie er den Hof bewirtschaftet. Er selbst ist auf Grund von Eigeninteresse Landwirt geworden, schon als Kind hatte er auf dem Hof seiner Eltern Landluft geschnuppert.
Marcus Voll zeigt abschließend in einer kurzen Führung, wie ein Zwiebelvollernter und eine Zwiebelsortiermaschine funktionieren und wo er seine Geräte lagert.
Wieder im Bus, jetzt allerdings begleitet von Sonnenschein, machen sich die Schülerinnen und Schüler aus Speyer und Slowenien auf den Weg nach Hause.

Lisa Valentin

 

 

Mariano: Dieser Austausch war ein sehr schönes Erlebnis. Es hat mir sehr gefallen, in einer Woche viele neue Leute kennen zu lernen und meine Deutschkenntnisse zu verbessern. Das Recherchethema finde ich sehr interessant, weil ich mich für Biologie und Umweltschutz interessiere. Früher wusste ich nicht, mit welchen Problemen ein Bauer konfrontiert wird und wie er sich mit diesem Prognosemodell helfen kann. In der Familie, wo ich wohnte, waren alle sehr nett und wir haben uns sehr gut verstanden. Jetzt freue ich mich schon an die Ankunft unserer Austauschpartner in Slowenien.

Barbara: Die Besichtigung des Betriebes Queckbrunnerhof hat mich sehr beeindruckt. Es sollte mehr solche Forschungszentren auch in Slowenien geben. Sie ermöglichen einen besseren und effektiveren Anbau von Gemüse, der nicht so gesundheitsschädlich ist. Solche Betriebe tragen zu größerem Umweltbewusstsein der Bürger bei.

Tadej: Alle meine Erinnerungen auf Speyer sind wunderbar. Ich weiß nicht warum, aber die deutschen Mädchen mögen mich lieber als die in Slowenien.

Kaja: Das Projekt gab mir viel Neues. Die Kontakte mit deutschen Partnerschülern waren ausgezeichnet und durch viel Sprechen wurden meine Deutschkenntnisse verbessert. Die Projektteilnahme war eine gute Erfahrung, die man jedenfalls wiederholen müsste.

Jana: Das ganze Projekt ist eine herrliche Kombination des Nutzens und der Unterhaltung - beim Erkennung des Falschen Mehltaus an Zwiebeln und Deutschlernen haben wir auch viele neue Freundschaften geschlossen, alte gefestigt und hatten dabei viel Spaß.
Unsere Austauschpartner haben sich sehr gut organisiert, uns viel gezeigt und wir sind schon sehr ungeduldig, dass die Deutschen nach Slowenien kommen und sich von unseren Schönheiten verzaubern lassen.

 

Luftaufnahme von Novo Mesto

Novo Mesto

Am 7. April 1365 unterzeichnete Rudolph IV. von Habsburg eine Urkunde, mit der er einer kleinen Siedlung namens Rudolphswerth die Stadtrechte verlieh. Diese Stadt entwickelte sich zu Novo mesto. Eine gute Autostunde von Ljubljana gelegen, wurde die Stadt zum kulturellen Zentrum im Südosten Sloweniens, der Dolenjska. Neustadt, wie sie auf deutsch heißt, wird von der Krka umschlungen. In der reizvollen Ortschaft leben 25.000 Einwohner. Papst Alexander VI. gründete das Kollegiatskapitel, dessen Turm hoch über der Stadt aufragt und als Wahrzeichen der Stadt gilt. Die malerische Altstadt lädt zum Schlendern und Eisessen ein, Weinberge und viele Wälder in der direkten Umgebung zu lohnenswerten Ausflügen.

Thomas Doroszewski

 

Clemens Scheck: Es war für mich ein besonderes Erlebnis, Slowenien kennenzulernen. Land und Leute haben bei mir äußerst positive Eindrücke hinterlassen: Die Gastfreundschaft der slowenischen Familien hat mich ebenso sehr fasziniert wie die herrliche Landschaft Sloweniens.

Robin Volk: Ich fand den Austausch sehr schön. Für besonders wichtig halte ich die kulturelle Erfahrung, die fremde Mentalität kennen zu lernen.

Timo Flott: Ich habe ein neues Land und neue Leute kennengelernt. Alle waren sehr nett und gastfreundlich. Wir hoffen, die Freundschaften bleiben danach bestehen.

Kerstin Humm: Der Austausch hat sehr viel Spaß gemacht und ich war überrascht, dass die Eltern auch Deutsch sprechen. Die Eltern sind sehr nett und gastfreundlich.

Lisa Valentin: Es gefällt mir sehr gut. Das Verhältnis zu meiner Partnerin wurde auch noch besser (als es in Speyer schon war). Man gewinnt einen persönlichen Eindruck von Slowenien.

Christoph Jung: Vor allem gat mich die Freundlichkeit und Zuvorkommenheit der Menschen und das Engagement der slowenischen Schüler beeindruckt. Außerdem hat mir das slowenische Essen sehr gut geschmeckt.

Sven Frenzel: Mir hat die Woche total gut gefallen und ich war sehr beeindruckt von den slowenischen Familien.

Clemens Scheck

 

Blick von der Burg über Ljubljana

Ausflug an die Adria

 

 

 

Hauseigene Versuchstiere für die Kläranlage

Von hohen Türmen bis zu winzigen Wasserflöhen reichte das Thema
Abwasseraufbereitungsanlagen in Slowenien.
Graue Fabrikgebäude spiegeln sich in den Pfützen, rot-weiße Türme reihen sich an moderne Forschungsgebäude. Der Himmel ist Wolken verhangen, es nieselt leicht und Verkehrslärm ist zu hören.
Eine kleine Gruppe von Schülern steht mit Schirmen vor der hauseigenen Kläranlage der Firma KRKA. Weil bei der Medikamentenherstellung des Pharmaunternehmens belastete Abwässer entstehen, müssen diese gesondert entsorgt werden. Begleitet von einer Dolmetscherin wird die Gruppe der deutschen Schüler von Dr. Irena Carman, der Spezialistin für Umweltschutz der Firma KRKA, über das Gelände geführt. Es ist kurz nach 13 Uhr und hinter den Teilnehmern liegt bereits eine Besichtigung der Abwasseraufbereitungsanlage in Straza. Der einzige Vorteil des Regens, der bisher nur kurz von Sonnenschein unterbrochen wurde: Der Geruch aus den Klärbecken von Straza wurde etwas gedämpft.

Insgesamt gibt es elf Kläranlagen und ganze 220 km Kanalnetz im Bereich der sechs Gemeinden, die sich zum Klärverbund Komunala zusammengeschlossen haben. Slowenien verfolgt das ehrgeizige Ziel bis 2018 alle Haushalte an eine Abwasseraufbereitungsanlage anzuschließen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass sich die Wasserqualität aller Flüsse verbessert. Die Krka zu schützen ist insbesondere für das gleichnamige Pharmaunternehmen wichtig. "Harmony with nature"- "Harmonie mit der Natur", stehe im Mittelpunkt seiner Arbeit und Forschung. Dies erklärt ein Film, mit dem die Besuchergruppe gleich zu Beginn in Ziele und Aufgaben der internationalen Firma eingeführt wird.
Nachdem die Schülerinnen und Schüler schon am Morgen aufgebrochen waren, sind sie nun doch ein wenig überwältigt von all den Eindrücken und Informationen. Für einen Energieschub sorgt eine Mahlzeit am Mittag, die als kleiner Imbiss angekündigt, sich als opulentes, warmes Buffet entpuppte. So können nach dieser kurzen Pause alle gestärkt fortfahren.
Die Abwasserreinigungsreaktoren werden von außen besichtigt. Dann geht es weiter in einen der Neubauten; für die Führung wurden die Bauarbeiten kurzzeitig eingestellt. Hier riecht es wie in einem neuen Haus. Die gesamte Ausstattung ist hochmodern. Die Labors sind peinlich sauber und aufgeräumt, als wären sie nicht benutzt.
Jetzt darf sich auch ein Teil der Schüler an der "Forschung" beteiligen. Unter einer Lupe werden Daphnien, Wasserflöhe, gezählt. Anhand ihrer Beweglichkeit wird geprüft, wie stark das Wasser nach dem Reinigungsprozess noch verschmutzt ist. Sterben die hauseigenen Versuchstierchen bei diesem Experiment, heißt das, dass das Abwasser mit toxischen Stoffen verunreinigt ist. Genau das muss vermieden werden, um den guten Ruf der Firma zu wahren, so Carman. Nach weiteren Experimenten zur Feststellung des pH-Werts und des chemischen Sauerstoffbedarfs des Abwassers endet die Führung.
Da die deutschen Schüler in den letzten Tagen auch ein paar Brocken der Landessprache gelernt haben, können sie sich am Ende mit "Hvala" auf Slowenisch bei Dr. Irena Carman bedanken. Sie machen sich gemeinsam zu einem zweiten Mittagessen auf, während die Wasserflöhe noch immer im Labor herumschwimmen.

Lisa Valentin