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Rheinpfalz vom 28. Oktober 2011 (kya)
Deftige Satire im Audimax
Schön dekadent: Diese „Party im alten Rom” hat deutlich mit verklärten Vorstellungen aufgeräumt und eine andere Seite des römischen Imperiums vor Augen geführt. (Foto: Lenz)
Zum ersten Gastmahl des Trimalchio hatte die Theater-AG Antike des Kaiserdomgymnasiums am Mittwochabend ins Auditorium Maximum der Verwaltungshochschule eingeladen. „Petron Cena Trimalchionis” räumte mit bis in die Gegenwart verklärten Vorstellungen von Intellekt und Hochkultur im römischen Imperium gründlich auf.
Unter der Gesamtleitung von Melanie Kunz spielten sich die Schüler durch ein mehrtägiges Gelage mit weitreichenden Folgen. Gut gewählt war der größte Hörsaal der Verwaltungshochschule als authentisches römisches Theater. Carmen Garthe hatte die Akteure, allen voran „Opa” Joshua Burgert, mit großartigen Maskenbildern ausgestattet, Bühnenbild und Kostüme rundeten den Eindruck des Zuschauers ab, Statist in einer römischen Komödie zu sein. „Seht nur, die vielen Statuen”, machte „Partygänger” Enkolp (Niels Münzenberger) Askylt (Simon Staiger) und Giton (Hannes Juchem), seine Begleiter durch Völlerei und andere Sinnenfreuden, auf die stummen Zuschauer im Audimax aufmerksam. Den roten Faden zogen der unentwegt RHEINPFALZ lesende Opa und seine wissbegierigen Enkelinnen (Louisa Theobald und Laura Fähndrich) durch die deftige Satire, deren eher unappetitliche Elemente etwas weniger Ausschweifung besser vertragen hätten. Das Wagnis, im Gastmahl des Trmimalchio das wirklich wahre, hin und wieder auch dumme Gesicht der alten Römer zu zeigen, ist dennoch aufgegangen. In Ausdruck, Körpersprache, Gestik und Mimik herausragend muss hier die „Psyche” genannt werden, die jedes Bühnengeschehen stets mit „interessant” oder „faszinierend” kommentierte. Alicia Resch bewies viel schauspielerisches Können, gepaart mit komödiantischem Talent, hoher Konzentration und absoluter Textsicherheit. Benedikt Sabisch nahm die ihm zugedachte Rolle des törichten und sprachlich allzu offenen Gastgebers in manchen Szenen etwas zu ernst. Ehefrau Fortunata (Anna-Maria Kahlenberger), offensichtlich bestens mit dem Internet vertraut, brachte das Publikum zurück in eine Zukunft, in der der Spiegel schon wartet, der ihm seine Gier nach vordergründigem Luxus vor Augen hält. Wie im alten Rom. Viel hat sich seither nicht geändert...
Rheinpfalz vom 5. Oktober 2011 (bw)
An Reifeprüfung vor 60 Jahren erinnert
60 Jahre nach dem Abitur getroffen: Vorne von links Hermann Schmied, Werner Trefort, Hugo Ball, Karl Korz. Hinten von links: Heinz Weindel, Manfred Marx, Karl Knoll, Helmut Krill. (Foto: Lenz)
Im Jahre 1951 legten sie das erste Zentralabitur in Rheinland-Pfalz ab. „Wir waren damals 18"” erinnert sich Karl Korz, der Initiator des Schülertreffens, zu dem sich von den 18 Ehemaligen nur noch acht einfanden. Besucht hatten alle den wissenschaftlichen Zweig des damaligen Humanistischen Gymnasiums, heute Gymnasium am Kaiserdom. Schülerinnen waren bedingt zugelassen - nur zwei junge Damen drückten damals in diesem Hause die Schulbank. Die, so Korz, aus gut bürgerlichem Hause stammenden Abiturienten machten alle ihren beruflichen Weg, wurden Chemiker und Ingenieure, Korz selbst war zwei Jahrzehnte lang Bürgermeister der Stadt Heidelberg. Das zweitägige Treffen endete mit einem geselligen Abend im „Feuerbachhaus”, bei dem an manch lustige Begebenheit aus vergangener Schulzeit erinnert wurde. Eine Zeit, als Oberstudiendirektor Braun (Korz: „Ein herzensguter Mann”) das Gymnasium leitete und Julius Schuck, der Pedell, ein strenges Regiment führte. Der gewissenhaft darauf achtete, dass Schüler nur dann mit dem Fahrrad das Gymnasium besuchten, die weiter entfernt als einen Kilometer vom Schulhaus wohnten. Korz selbst gehörte zu den Ertappten mit der Folge, dass sein fahrbarer Untersatz drei Tage und drei Nächte lang im Kokskeller der Schule verschwand. Schulbücher gab es nicht. Der Lehrstoff wurde diktiert oder musste von der Tafel abgeschrieben werden. Natürlich kostete seinerzeit der Besuch des Gymnasiums „Schulgeld”, das die Eltern aufbringen mussten. Erlassen wurde es für einen Monat nur, wenn man mit gut bestandenen Fleißprüfungen glänzte. Peter Rennholz, Studiendirektor und stellvertretender Schulleiter, führte die Ehemaligen, sie sind zwischen 78 und 81 Jahre alt, durch die Räumlichkeiten der einstigen Penne, zog bei einem Rundgang Vergleiche zwischen heute und der Zeit vor 60 Jahren.
Rheinpfalz vom 17. August 2011 (vaf)
Unser Haus ist voll mit Kunst (Interview Preisträgerin Carmen Garthe)
Rheinpfalz vom 8. Juni 2011
Jeden Tag glücklich sein – Esther Bauer hat Konzentrationslager überlebt und gibt Schülern mit auf den Weg, für Frieden zu sorgen (von Ellen Kornelius-Bruder)
Sie gehört der weltweiten Facebook-Gemeinde an, korrespondiert am liebsten per E-Mail und lebt seit acht Jahren mit einem Herxheimer in New York: Esther Bauer ist Jüdin, 87 Jahre alt und hat die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz und Mauthausen überlebt.
Seit 20 Jahren erzählt die gebürtige Hamburgerin mit amerikanischem Pass Jugendlichen in den USA und Deutschland ihre Geschichte. In den ersten zwei Jahrzehnten nach Kriegsende habe sie nicht darüber reden können, weitere 20 Jahre habe sich niemand dafür interessiert, erklärt Esther Bauer. Gestern war „die Großmutter aus New York” gemeinsam mit ihrem ein Jahr jüngeren Lebensgefährten zum ersten Mal im Gymnasium am Kaiserdom. Sie habe „immer Glück gehabt”, fasst sie ihre Erinnerungen an Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus zusammen. „Meine Rache ist, dass ich noch lebe”, erklärt die „ganz und gar ungläubige Jüdin” den Zehntklässlern: „Hass macht hässlich.”
Die Machtergreifung der Nationalsozialisten habe sie jäh aus dem behüteten Leben einer Neunjährigen im Hamburger Stadtteil Eppendorf gerissen, schildert Esther Bauer die Repressalien, denen auch jüdische Kinder ausgesetzt wurden. Der Schulweg durch den Park sei ihr verwehrt, koscheres Fleisch nur noch in Ostpreußen erlaubt worden, die Kindheit, das Elternhaus und selbst ihr Sparkonto hätten die Nazis ihr genommen. „Nichts davon haben wir nach dem Krieg zurückbekommen.” Esther Bauer wirkt weder verbittert noch gebrochen. Voller Lebensmut steht sie vor dem Mikrofon, denn „im Sitzen kann sie nicht erzählen”, erklärt Lebensgefährte Bill Engel. Der amerikanische Pfälzer begleitet die amerikanische Hamburgerin auf ihrer Mission zur Jugend der Welt: „Ihr müsst dafür sorgen, dass das nie wieder passiert”, gibt sie den GaK-Schülern mit auf den Weg. „Wir Zeitzeugen sterben aus”, sagt die alte Dame im typisch norddeutschen Tonfall. „Auf Deutsch verstehen wir uns nicht”, erklärt Bill Engel die Kommunikation ausschließlich auf Englisch mit der Partnerin mit seinen unverkennbaren pfälzischen Sprachwurzeln.
Auf dem Podium erzählt Esther Bauer von dem gelben Stern, den sie als 16-Jährige getragen habe und von der Deportation ihrer Familie nach Theresienstadt, als sie 18 war: „Von einem Moment zum anderen waren wir Gefangene.” Sie berichtet von ihrer Lebensrettung durch den verliebten Koch mit Extrarationen verfaulter Kartoffeln, Jobvermittlung im Ghetto und organisierter Krankenpflege, als sie eine Lungenentzündung niedergestreckt habe. „Ich habe wohl nicht allzu schlecht ausgesehen”, erklärt Esther Bauer die Privilegien.
Von demütigenden Latrinengängen, ihrer Begegnung mit Dr. Mengele in Auschwitz, der Esther Bauer „nach rechts” und nicht ins Gas gewunken habe, dem in der Flugzeugfabrik selbst gemachten Kamm, der sie heute noch begleitet, Tod und Ermordung der Eltern sowie ständiger Angst um das eigene Leben berichtet die Zeitzeugin und auch von dem Gras, das sie vor Hunger verschlungen habe. 85 Pfund habe sie nach der Befreiung aus Mauthausen am 5. Mai 1945 gewogen.
Am Tag ihrer Ankunft per Schiff in New York habe sie ihren Ehemann in einer Eisdiele getroffen. Bis zu seinem Tod vor 17 Jahren habe die Ehe gehalten, aus der ein Sohn hervorgegangen sei. Theresienstadt habe sie noch einmal besucht und „entsetzt festgestellt”, dass das Lager bis zur Unkenntlichkeit renoviert worden sei. „Teppiche, Aufzug und Blumen passen nicht zu dem, was ich gesehen habe”, sagt sie.
„Heute tut es nicht mehr weh”, betont Esther Bauer. Auf dem Schiff Richtung Amerika habe sie sich vorgenommen, „jeden Tag glücklich zu sein. Und das bin ich”.